Briefmarathon 2014


Der Briefmarathon findet jedes Jahr im Dezember statt. In dieser Zeit schreiben SympatisantInnen von Amnesty International Millionen von Briefen für Personen, deren grundlegende Menschenrechte in Gefahr sind. Ihre Appelle helfen Gewissensgefangenen, dass sie freigelassen werden. Sie ändern Gesetze, damit diese die Freiheit schützen. Sie finden hier 12 Personen und Personengruppen, die dringend unsere Unterstützung brauchen.

Werden Sie aktiv und sammeln Sie Unterschriften.


Usbekistan
Usbekistan
Erkin Musaev
Beamter zu 20 Jahren Haft verurteilt

Erkin Musaev, ein ehemaliger Beamter des Verteidigungs-ministeriums, arbeitete für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen in Usbekistan, als er im Januar 2006 von Angehörigen des Nationalen Sicherheitsdienstes (SNB) inhaftiert wurde. Man klagte ihn der Spionage an und hielt ihn mehrere Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt fest. Berichten zufolge wurde er einen Monat lang tagsüber geschlagen und nachts verhört. Außerdem drohte man ihm, seinen Angehörigen etwas anzutun.

Erkin Musaev unterschrieb schließlich ein „Geständnis“ und wurde wegen Hochverrats und Amtsmissbrauchs zu insgesamt 20 Jahren Haft verurteilt. Amnesty International fordert eine umfassende, unparteiische und wirksame Untersuchung der von Erkin Musaev erhobenen Foltervorwürfe.

Norwegen
Norwegen
John Jeanette Solstad Remø
Rechtliche Anerkennung für Transgender-Frau

John Jeanette Solstad Remø, eine 65-jährige Transgender-Frau kämpft darum, dass ihr Geschlecht rechtlich anerkannt wird. In Norwegen ist die rechtliche Anerkennung nur nach einer „echten Geschlechtsumwandlung“ möglich, welche eine psychiatrische Diagnose und verpflichtende medizinische Behandlung, einschließlich Operation und Sterilisation voraussetzt.

Griechenland
Griechenland
Paraskevi Kokoni
Tätlicher Angriff gegen Roma-Familie

Im Dorf Etoliko im Westen Griechenlands fanden mehrere Angriffe, vermutlich von der rechtsextremen Partei „Goldene Morgenröte“ angestachelt, gegen Mitglieder der lokalen Roma-Gemeinschaft statt. Im Oktober 2013 wurden Paraskevi Kokoni, ihr 11-jähriger Sohn und ihr 23-jähriger, geistig behinderter Neffe Kostas mitten am Hauptplatz angegriffen. Paraskevi und Kosta trugen Verletzungen davon. Die Familie fühlte sich nicht mehr sicher und zog in eine nahe gelegene Stadt.

Venezuela
Venezuela
Daniel Quintero
Folter nach Teilnahme an einer Demonstration

Der 21-jährige Student Daniel Quintero wurde nach seiner Teilnahme an einer regierungskritischen Demonstration in Maracaibo von Mitgliedern der Bolivianischen Nationalgarde festgenommen. Er wurde an drei verschiedenen Orten festgehalten und gefoltert, bis er schließlich vor einen Richter gebracht wurde, der ihn bedingt freiließ.

USA
USA
Chelsea Manning
Wikileaks-Informant in Haft

Am 21. August 2013 wurde Chelsea Manning zu 35 Jahren in einem Militärgefängnis verurteilt, weil sie Regierungsunterlagen an die Website Wikileaks geleakt hatte. Sie wurde 11 Monate in Isolationshaft im Irak und in den USA gefangen gehalten. 2014 durfte Manning den Namen von Bradley auf Chelsea ändern, und es wurde ihr gewährt, als Frau zu leben.

Indien
Indien
30 Jahre Bhopal-Katastrophe
Dow Chemical muss vor Gericht erscheinen

Heuer jährt sich der Jahrestag der Katastrophe von Bhopal zum 30. Mal. Am 3. Dezember 1984 trat Giftgas aus einer Pestizidfabrik aus: Bis zu 10.000 Menschen starben unmittelbar nach dem Unfall, und Zehntausende wurden verletzt und so sehr beeinträchtigt, so dass sie nicht mehr ihrem Lebensunterhalt nachgehen konnten.

Das kontaminierte Gelände wurde bis heute nicht gereinigt. Rund 40.000 Menschen leben in der Nähe des Giftmülls auf dem verlassenen Firmengelände.

Philippinen
Philippinen
Jerryme Corre
Busfahrer auf Basis von unter Folter erzwungenem Geständnis verurteilt

Im Jänner 2012 wurde der Busfahrer Jerryme Corre brutal von der Polizei gefoltert, die ihn beschuldigten, einen Polizisten getötet zu haben. Ein Beamter seines Dorfes sagte der Polizei, dass sie die falsche Person verhaftet hatten. Die Polizei drohte Jerryme Corre zu töten. Er wurde schließlich des Drogenbesitzes angeklagt und befindet sich nach über zwei Jahren immer noch im Gefängnis.

China
China
Liu Ping
Gewissensgefangene forderte Transparenz in der Politik

Die Aktivistin Liu Ping wurde am 19. Juni 2014 zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. In der Untersuchungshaft wurde sie gefoltert, und es wird ihr der Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung verwehrt. Sie berief gegen die Verurteilung. Liu Ping ist eine Gewissensgefangene.

Ihre Verurteilung scheint politisch motiviert: die Behörden gehen gegen die sogenannte „Neue Bürgerbewegung“ vor. Dies ist ein loses Netzwerk von Aktivistinnen und Aktivisten, die von der Regierung mehr Transparenz und Bekämpfung von Korruption fordern. Lui Ping hatte am 21. April 2013 gemeinsam mit zwei weiteren Aktivist_innen eine Demonstration organisiert, in der sie von hochrangigen Beamt_innen die Offenlegung von Einkünften forderte.

Nigeria
Nigeria
Moses Akatugba
Todesurteil wegen angeblicher Straftat als Jugendlicher

Der 16-jährige Moses Akatugba wurde am 27. November 2005 auf offener Straße in seiner Heimatstadt Ekpan von Soldaten festgenommen, weil er angeblich einige Handys und Headsets gestohlen hatte. Er wurde brutal gefoltert. Nach drei Monaten in Polizeigewahrsam unterschrieb der Jugendliche zwei Geständnisse. Die Foltervorwürfe gegen Soldaten und Polizisten wurden nicht untersucht. Auf Basis einer völlig widersprüchlichen Aussage des vermeintlichen Diebstahlopfers und eines unter Folter erpressten „Geständnisses“ wurde Moses Akatugba im November 2013 zum Tode verurteilt. Moses Akatugba sitzt nun in der Todeszelle und darf in Haft kaum Kontakt zu seiner Familie haben.

Südafrika
Südafrika
Frauen und Mädchen in Mkhondo Mpumalanga
Steigende Müttersterblichkeit, eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsleistungen

Frauen und Mädchen in der Gemeinde Mkhondo (Provinz Mpumalanga) sind häufig in ihren sexuellen und reproduktiven Rechten eingeschränkt. Die Indikatoren für den Gesundheitszustand sind im Bezirk Gert Sibande die schlechtesten von ganz Südafrika, und entgegen dem allgemeinen Trend in Südafrika hat in Gert Sibande die Müttersterblichkeit seit 2008 zugenommen. Der Zugang zu Gesundheitsleistungen während der Schwangerschaft und der Geburt ist für Frauen und Mädchen in Folge von Defiziten im Gesundheitssystem sowie auf Grund von sozio-ökonomischer Benachteiligung der betroffenen Gruppen eingeschränkt.

Saudi Arabien
Saudi Arabien
Raif Badawi
Website-Gründer zu 10 Jahren Haft verurteilt

Der Website-Gründer Raif Badawi wurde zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe und 1.000 Peitschenhieben verurteilt worden. Er wurde schuldig befunden, kritische Online-Artikel über die saudi-arabischen Behörden veröffentlicht zu haben, die als Angriff gegen den Islam angesehen werden. Amnesty International betrachtet Raif Badawi als gewaltlosen politischen Gefangenen.

Das Berufungsgericht in Jeddah bestätigte am 1. September 2014 die gegen Raif Badawi verhängte zehnjährige Haftstrafe und die Prügelstrafe. Raif Badawi war der „Apostasie“ angeklagt worden, einem Straftatbestand, auf den in Saudi-Arabien die Todesstrafe steht. Er befindet sich seit dem 17. Juni 2012 in einem Gefängnis in Briman (Bezirk von Jeddah). Sein Rechtsbeistand Waleed Abu al-Khair befindet sich selbst im Gefängnis, da er wegen seines friedlichen Engagements eine 15-jährige Haftstrafe verbüßt.

Vereinigte Arabische Emirate
Vereinigte Arabische Emirate
Dr Mohammed al-Roken
Menschenrechtsanwalt in Haft

Dr. Mohammed al-Roken, ein Professor für Verfassungsrecht und Menschenrechtsanwalt, wurde am 2. Juli 2013 in einem Sammelverfahren gegen 94 Reformbefürworter_innen auf Basis einer politisch motivierten Anklage wegen „versuchten Regierungssturzes“ zu zehn Jahren Haftstrafe verurteilt. Mohammed al-Roken ist eng mit Amnesty International verbunden.

Der Prozess, der als „VAE 94“-Verfahren bekannt ist, entsprach nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren. Zu den Angeklagten gehörten unter anderem Richter_innen, Rechtsanwält_innen, Mitarbeiter_innen an Universitäten und Studentenführer_innen.